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MEIN MALCHIN | Wettbewerb für alle BürgerInnen | 10.02. bis 15.03.16

Plakat_Wettbewerb-A1__small Was sind Ihre Ideen, wenn es um Ihre Stadt Malchin geht?

Machen Sie doch in Gedanken einmal einen Spaziergang durch die Stadt und lassen Sie die Orte vorbei ziehen, die Sie aus Ihrem Alltag kennen. Soll auch in Zukunft alles so bleiben, wie es ist? Oder hätten Sie Ideen, wie etwas anders sein könnte? Lassen Sie sich von unseren folgenden Fragen anregen, darüber nachzudenken und halten Sie Ihre Ideen fest! Machen Sie eine Skizze oder malen Sie in ein Foto Ihr Design oder beschreiben Sie Ihre Idee.

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23.November 2015

Der Wettbewerb Heimatkunde – Eure Stadt! Eure Ideen! ist bis 31.Januar 2016 verlängert worden. Schulklassen und Gruppen  Jugendlicher im Alter von 12 bis 16 Jahren sind eingeladen, kreative Ideen zur Gestaltung und Nutzung von Freiflächen in ihren Heimatorten zu entwickeln. Eine Städtereise und attaktive Preise locken als Gewinne!

Wettbewerb: Heimatkunde

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13.November – 25.November 2015

DIE AUSSTELLUNG IST VERLÄNGERT UND KANN BIS ENDE DES JAHRES BESUCHT WERDEN.

Am Freitag, 13.11.2015 wird die Ausstellung zur Zukunftsstadt Malchin im Rathaus eröffnet.

In den nächsten Monaten wollen wir – hier in der Stadt – Ideen und Visionen für Malchin zusammentragen. Für Malchin in den Jahren nach 2030.

Der Anfang ist gemacht und kann bis 25.November 2015 betrachtet werden:
Die Austellung zeigt facettenreiche Eindrücke und Empfindungen von Jugendlichen aus der Region Malchin zu Zukunft und Lebensperspektiven.

Lassen Sie sich inspirieren und erzählen Sie Ihre Lebensentwürfe, Ihr Bild von der Zukunft, wie Sie in Malchin „Gut leben“ wollen:
Wir sammeln Ihre Geschichten, Texte, Bilder, Notizen im Briefkasten im 1. OG des Rathauses.

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Silke Schulz, 46 Jahre (Radiomacherin, Malchin)

„Ich bin froh, dass wir hier aufm Dorf wohnen. Bei uns kommt ja immer alles 25 Jahre später. Noch haben wir hier ein bisschen heile Welt.“

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„Ich gehöre mit zu den in der Statistik auftauchenden allein erziehenden Müttern und die sind dann immer irgendwo am Ende der Nahrungskette.“ So empfindet es Silke als Mutter von zwei Söhnen. Und dennoch engagiert sie sich vielfältig für andere und für die Stadt Malchin und sagt: „Aber wenn man sich das Gesamtpaket anschaut, dann habe ich`s ja nicht schlecht. Ich wohne in einem Haus, hab einen Garten, hab einen Hund, hab einen guten Job,  Auto fahre ich auch. Was braucht man noch zum Glücklich Sein. Freunde, alles hier.“

Silke wurde in Malchin geboren und lebt mittlerweile, 46 Jahre später, wieder in ihrem Elternhaus. Der Wunsch, woanders zu leben und wegen der großen Liebe Malchin zu verlassen, flammte nur kurz auf. „Ich muss meinen Kirchturm sehen… Das ist so!“

Im Kino von Malchin ist sie groß geworden. Ihr Vater war der Leiter und sie geht bis heute noch sehr gern dorthin. Es macht sie stolz, dass Malchin, als einzige Stadt in der Umgebung, noch immer ein Kino hat.

Als die Mauer fiel, war Silke Anfang 20. „Ich hatte schon Hoffnungen, Träume und Wünsche. Aber erfüllt hat sich gar nix davon.“ In Aschersleben studierte sie BWL. Danach hat sie Schwierigkeiten, in Malchin einen festen Job zu finden.

„Ich hab zwar `nen tollen Job, aber kann davon nicht leben.“ Silkes Arbeitsplatz beim Offenen Kanal „Studio Malchin“ ist keine feste Stelle und sie muss deswegen über das Arbeitsamt aufstocken. Das Bürgerradio wird über Projekte von Vereinen und Verbänden getragen. Es steht allen Einwohnern offen und bietet ihnen die Möglichkeit, Radiosendungen selbst zu gestalten, ihre Meinung zu äußern. Silke informiert immer Freitags über die geplanten Veranstaltungen in der Umgebung, moderiert Samstags eine Kindersendung und lässt immer Sonntags für gewöhnliche Radiosender ungewöhnliche Musik, wie z.B. Ska, erklingen.

 „Für mich ist das auch ein kleines Stück vom Glück, dass ich mich einsetze, auch für die Stadt.“ Nachdem Silke gewähltes Mitglied der Stadtvertretung Malchin war, ist sie derzeit aktiv im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport, Jugend, Senioren und Soziales. Hier beschäftigt sie sich mit vielfältigen Fragen zu unterschiedlichen Themen: Wo kommt das neue Denkmal hin? Wer organisiert das Weihnachtsfest, wer das Stadtfest? Ist eine Erwärmung des Peenebades sinnvoll?

Auch für Flüchtlinge setzt sich Silke ein. Gemeinsam mit einem kleinen Kreis von Eltern hat sie auf Facebook eine Gruppe gegründet, um Sachspenden für Kinder zu sammeln. In Ihrem Umfeld beobachtet sie dahingehend unter den Einwohnern eine Gemengelage aus Ignoranz & Angst. Angst besonders unter den Ärmsten der Armen. Silke meint dazu: „Ich hab da kein Verständnis für irgendwo. Ich finde, das sind Menschen und gut ist. Mehr gibt’s da gar nicht zu diskutieren.“

Sehrin Sohrsh, 41 (Krankenschwester,  Malchin)

„Malchin hat mir Glück gebracht.“

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„Liebe ist Liebe“ sagt sie. Mit ihrem Mann ist Sehrin schon über zwanzig Jahre verheiratet. Ihre älteste Tochter ist gerade achtzehn Jahre geworden. Cassandra will etwas mit Sprachen studieren. Die 14-jährige Claudia würde gern Erzieherin werden. Rudi, ihr jüngster Sohn, ist leidenschaftlicher Fußballer. Ihre drei Kinder sind hier geboren. Sehrin und ihr Mann sind kurz nach der Hochzeit nach Malchin gezogen. Sie ist gelernte Krankenschwester

Sie schwärmt von den Festlichkeiten ihrer zweiten Heimat. Kindertag und Silvester. Sie erzählt von ihrer Vorfreude. Besonders Weihnachten findet sie schön; mit den Geschenken für ihre Kinder. Die Feiertage verbringt sie oft im Sozialwerk der Evangelischen- Freikirchlichen Gemeinde Malchin. „Es ist ein bisschen wie Familie“ sagt sie.

In ihrem Herkunftsland lebte sie in einem kleinen Dorf, ihre Familie gehört zur kurdischen Minderheit in Syrien. Deshalb verhinderte ein roter Stift, der sie als Kurdin stigmatisierte, ihren Schulabschluss. Ihre Familie ließ nicht zu, dass sie mit ihrem arabischen  Freund zusammen ist. Der einzige Ausweg in ein selbstbestimmtes und sicheres Leben: die gemeinsame Flucht.

Den ersten Monat in Deutschland verbringt Sehrin ohne Wechselkleidung in dem Flüchtlingsheim in Horst. Danach lebt sie neun Jahre im Flüchtlingsheim in Malchin. Am Anfang nur mit ihrem Mann in einem Zimmer, dann zusammen mit ihren drei kleinen Kindern. In den ersten drei Jahren konnte sie vor Angst nicht ohne Schlaftabletten ins Bett gehen, erzählt sie. Die anderen Männer aus dem Heim hatten ihr Angst gemacht.

 „Nach der Geburt habe ich alles vergessen, die Liebe kam wieder zurück. Mit dem Kinderwagen waren alle so nett zu mir.“

Als den schönsten Tag in Malchin, beschreibt sie die Einschulung ihrer Kinder; wie sie sich traditionell mit Kleid und Schleifen schick gemacht hätten. Malchin sei eine gute Stadt, betont Sehrin.

„So ruhig, ohne Probleme, keine Angst um die Kinder. Zwanzig Jahre – wie meine Stadt.“
Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie mit ihren Kindern hier in Malchin bleiben darf. Für ihre Kinder erhofft sie sich offizielle Papiere, eine geklärte Identität, eine gute Schulbildung. Sie möchte, dass ihre Kinder den Menschen  lieben dürfen, der gut zu ihnen passt. „Kinder sollen lieben dürfen.“

Ein Führerschein wird dringend benötigt. „Ist manchmal peinlich, ich kann die Kinder nicht fahren, immer fragen wer hat Platz?“ Doch die gesetzlichen und behördlichen Regelungen legen ihr Steine in den Weg. Zuerst hatte Sehrin als Geduldete kein Anrecht auf einen Führerschein und einen Sprachkurs, nun ist Arabisch nicht mehr bei der Führerscheinprüfung anerkannt und Deutsch fällt ihr immer noch schwer. Bisher durfte sie auch nicht arbeiten, ihre Krankenschwesterausbildung wird nicht anerkannt. Nach 20 Jahren darf sie jetzt bald ein Praktikum machen.

Bernd Kleist, 56 (Dorfaktivist & Ladenbesitzer, Gessin)

„In Gessin leben wir Soli­da­rität. Für Besucher gibt es freie Stellplätze für Wohnmobile. Wir bieten den Leuten auch an, die Toiletten und Waschgelegenheiten im Mittelhof zu nutzen. Das spüren die Touristen. So werden Gäste und Urlauber zu Nachbarn auf Zeit“.

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Das Dorf Gessin liegt im Landkreis Demmin, einer Region mit extrem hoher Abwanderungsquote. Seit 1991 fiel hier jeder dritte Arbeitsplatz weg. 17 Prozent  der Bewohner im erwerbsfähigen Alter leben von finanzieller Hilfe – ein deutscher Rekord. Als Bernd Kleist bei einer Informationsveranstaltung des Landes zu demografischem Wandel von seinem Sitznachbar hörte, „Bernd, weißt Du wie es ist, jeden Tag aus der Dose zu fressen?“ war klar, es musste sich etwas ändern.

Der ehemalige Lehrer und Verwaltungsangestellte gründete gemeinsam mit seinen Dorfnachbarn den Verein Mittelhof Gessin e.V., baute ein altes Gebäude seines Anwesens zu einem CO2-neutralen Dorfhaus um und brachte ‚Leben in die Bude’. Vom Männerabend, über die Gründung einer eigenen Schule, bis hin zum gemeinsamen Mittagstisch, Konzerten, Mal-, Computer-, Keramik- und Filmaktivitäten – die Bewohner krempelten ihr Dorf um. Heute kommen viele Besucher, um zu lernen, wie sie es gemacht haben. Auch moderne Initiativen mit technischem und touristischem Weitblick tragen dazu bei: Gessin hat die einzige E-Tankstelle der Region.

Im September 2013 startete das neueste Projekt von Kleist und seiner Frau Maria, die Gründung eines Naturkostladens in ihrem Mittelhof. Dort schenkt Kleist nun Kaffee aus und schnackt mit bekannten und unbekannten Gesichtern. Gegenüber des Ladens befindet sich die liebevoll renovierte Dorfkapelle: „Maria und ich haben dort geheiratet – das war wahrscheinlich die erste Hochzeit seit 100 Jahren. Früher gab’s hier nur Beerdigungen.“

Gessin ist ein „Bauerndorf“ mit 70 Bewohnern (davon 15 Kinder). „Keiner will aus dem Dorf weg,“ sagt Bernd Kleist. Und trotzdem ist klar, das Dorf wird älter. Statt dem Altern hilflos zuzusehen, haben sich die Bewohner jedoch bewusst dafür entschieden „gemeinsam kulturvoll zu altern.“ Dazu gehört, sich schon jetzt gut kennenzulernen, Kultur ins Dorf zu holen und gemeinsam Lebensräume und Transportnetzwerke zu schaffen, auf die man im Alter vertrauen kann.

Auf die Frage, was das Dorf in Zukunft braucht, antwortet Kleist: „Noch mehr Nachhaltigkeit und weitere Entwicklungen. Unser Dorf hat Lust auf Wandel.“

22. Juni 2015

22.06.2015 Malchin wird Zukunftsstadt! Die Stadt Malchin nimmt am Bundesweiten Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Wettbewerb Zukunftsstadt 2030“ des Wissenschaftsjahr 2015 teil.