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Reinhard Peters, 58 (Schlosser, Neukalen)

„Ich arbeite beim Bundes­freiwilligendienst in den Grünanlagen – seit einem Jahr. Dann hab ich noch ein halbes Jahr Verlängerung gekriegt. Dies ist nun die letzte Woche… Ich würd’ hier sofort weiterarbeiten, wenn ich die Gelegenheit dazu bekäme.“

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Reinhard Peters wurde in Neukalen geboren. Er machte eine Ausbildung als Schlosser und arbeitete nach seiner Armeezeit in einer nahegelegenen LPG. Die kleine Stadt Neukalen am Rande der Mecklenburgischen Schweiz wird durch den Peene-Kanal und das nahe gelegene Niedermoor geprägt.

Nach der Wende wurde Peters in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb angestellt und arbeitete dort, wie er sagt, „als Mädchen für alles“. Als der Betriebsinhaber starb, erhielt er zwar noch ein anderes Angebot als Vorarbeiter in einem Tierbetrieb, doch die Arbeit habe ihm nicht gelegen.

Deshalb nahm er Ende der neunziger Jahre an einer Umschulungsmaßnahme zum Maurer teil. In den Folgejahren gab es für Maurer viel Arbeit. Reinhard Peters litt jedoch zunehmend an Rückenproblemen, die er sich in seiner Zeit als Landwirtschaftsschlosser beim Instandsetzen der schweren Ketten der Rübenernte-Maschinen zugezogen hatte. Wieder musste er seinen Job aufgeben.

Zurzeit arbeitet er beim Bundesfreiwilligendienst und pflegt den Spielplatz und den Park von Neukalen: „Die Arbeit belastet meinen Rücken nicht so schwer und die Schmerzen sind auszuhalten,“ sagt er. Er findet es schade, dass dieser sinnvolle Job bereits im September 2014 ausläuft. Anderthalb Jahre darf er für den Bundesfreiwilligendienst arbeiten, Verlängerung ist ausgeschlossen.

Seine Freizeit verbringt Peters mit seiner Frau in ihrer Laube nahe den Neukalener Wiesen. Der Wandel der Landschaft sei für ihn vor allem durch den Anstieg von Mücken und Bremsen zu spüren, die viel zahlreicher sind als in den vorangegangenen Jahren. Es sind neue Nachbarn aus dem Niedermoor. Das benachbarte Moor und die Feuchtwiesen waren früher trockengelegt und dienten als Weideland für Vieh. Im Zuge von Renaturierungs-Initiativen wird ihnen wieder Wasser zugeführt, unter anderem damit das CO2, das in ihnen verschlossen ist, nicht weiter in die Atmosphäre tritt. Mit diesen Nachbarn müssen die Peters nun wohl leben.

Wilhelm Karge, 63 (Landwirt, Schlakendorf)

„Früher gab es Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Heutzutage kann man sich auf nichts mehr verlassen. Ich sag’ Euch, in zehn Jahren steht hier keine Kuh mehr auf der Weide.“

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Im letzten Zipfel von Schlakendorf, einem Dörfchen am Rand er Mecklenburgischen Schweiz, in dem alle Straßen den gleichen Namen tragen, steht das Haus von Wilhelm Karges Familie. Karge ist Landwirt. Zu DDR-Zeiten arbeitete er in der Landwirtschaftlichen Produktions­genossenschaft, die Getreide und Tiere in alle osteuropäischen Länder, insbesondere Russland, lieferte.

Nach der Wende machte er sich hier mit einem landwirtschaftlichen Betrieb selbstständig. Karge betreibt auf seinen 240 ha gepachtetem Grünland eine Mutterkuhhaltung mit über 100 Tieren. Im Gegensatz zur agroindustriellen Fleischproduktion wachsen die Kälber hier bis zu zehn Monate im Freien bei ihren Müttern auf und werden anschließend zum Ort der weiteren Nutzung transportiert.

Die wenigsten der ehemaligen LPG-Mitarbeiter konnten jedoch wie Karge nach der Wende in der Landwirtschaft bleiben. Nachdem die LPGs aufgelöst und in private Agrarbetriebe umgewandelt wurden, verlor ein Großteil der Menschen ihre Jobs.

Wilhelm Karge wollte nach der Wende einen Familienbetrieb gründen, eine Familie kann jedoch heutzutage kaum von den Erträgen leben. Da die Kinder wahrscheinlich nicht den Hof weiterführen werden, rechnet er damit, dass die Weiden und Wiesen bald nicht mehr bewirtschaftet werden. Zumal das Wetter immer unberechenbarer wird. In den letzten Jahren wurde das Peenetal oft überflutet. Seine Kühe standen knietief im Wasser.

Karge ist voller Fragen. Viele Entwicklungen in der Region sind für ihn nur noch absurd. Noch immer werden große Landflächen von Investoren aufgekauft und an die Landwirte verpachtet. Die Konzerne, die dahinter stecken, sind teilweise alles andere als naheliegend: „Fielmann hat hier viel Land gekauft. Fielmann! Wisst ihr, was die herstellen? Genau, Brillen. Die verpachten jetzt!“ Auch die Produktionswege scheinen ihm fragwürdig. Statt die Tiere zu dem Schlachthof ein paar Dörfer weiter zu bringen, muss er sie hunderte von Kilometern nach Sachsen-Anhalt liefern.

KLIMAWANDEL

„Der Klimawandel ist eine unvermeidbare und dringende globale Herausforderung, mit lang anhaltenden Einflüssen auf die nachhaltige Entwicklung aller Staaten. 2007 warnte das  Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss über Klimaveränderung oder Weltklimarat) im Viertern Sachstandsbericht vor sich verändernden Klima-Mustern und einem Ansteigen des Meeresspiegels, durch die durch Menschen verursachte ansteigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Für viele ist mittlerweile erwiesen, dass sich ein erwärmendes Weltklima auf die Verfügbarkeit von für die menschliche Existenz lebenswichtigen Ressourcen auswirken wird. Dazu gehört z. B. die Verfügbarkeit von Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Energie. Um Abhilfe zu schaffen, wurden Anpassungs- und Abmilderungsmaßnahmen beschlossen, welche der weltweiten politischen Agenda als Basis dienen sollen.

Die Verflechtungen zwischen Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung sind stark. Der Klimawandel hält sich nicht an geographische Grenzen.  Gerade die armen, sich entwickelnden Länder und insbesondere die LDCs (Least Developed Countries, am wenigsten entwickelte Länder) werden am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Es sind gerade jene Länder, die am wenigsten in der Lage sind, sich auf die zu erwartenden Einflüsse auf Gesellschaft, Wirtschaft und Ökosysteme vorzubereiten.

Die IPCC rechnet bis 2080 mit Millionen Menschen, die aufgrund des Klimawandels und seinen Folgen fliehen müssen. Besonders die in stark besiedelten Ländern lebende Bevölkerung, die zum großen Teil nur wenige Zentimeter über dem Meeresspiegel liegen und von den absehbaren Überflutungen betroffen sind, wird diese Gebiete verlassen müssen. Die SIDS (Small Island Developing States, Kleine Inselentwicklungsländer) sind bereits heute von Stürmen und dem Schwinden der bewohnbaren Fläche betroffen.“

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DESERTIFIKATION (Wüstenbildung)

Desertifikation (Wüstenbildung) ist ein Phänomen, welches eine der größten Herausforderungen unserer Zeit darstellt. Trotzdem haben viele Menschen die Gefahren und die Bedeutung bis heute nicht erkannt.

Obwohl Desertifikation eine Beeinträchtigung von Sanddünen auf fruchtbares Land darstellt, handelt es sich nicht um das Ausbreiten von Wüsten. Vielmehr handelt es sich um die anhaltende Degradation (Verschlechterung) von Ökosystemen in Trockengebieten durch die Eingriffe des Menschen.

Dies beinhaltet u.a. nicht nachhaltige, industrielle Landwirtschaft, Bergbau, Überweidung und Rodung von Wäldern. Hinzu kommt der durch Menschen gemachte Klimawandel, als größter Einflussfaktor auf die Wüstenbildung.“

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World Day to Combat Desertification