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Silke Schulz, 46 Jahre (Radiomacherin, Malchin)

„Ich bin froh, dass wir hier aufm Dorf wohnen. Bei uns kommt ja immer alles 25 Jahre später. Noch haben wir hier ein bisschen heile Welt.“

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„Ich gehöre mit zu den in der Statistik auftauchenden allein erziehenden Müttern und die sind dann immer irgendwo am Ende der Nahrungskette.“ So empfindet es Silke als Mutter von zwei Söhnen. Und dennoch engagiert sie sich vielfältig für andere und für die Stadt Malchin und sagt: „Aber wenn man sich das Gesamtpaket anschaut, dann habe ich`s ja nicht schlecht. Ich wohne in einem Haus, hab einen Garten, hab einen Hund, hab einen guten Job,  Auto fahre ich auch. Was braucht man noch zum Glücklich Sein. Freunde, alles hier.“

Silke wurde in Malchin geboren und lebt mittlerweile, 46 Jahre später, wieder in ihrem Elternhaus. Der Wunsch, woanders zu leben und wegen der großen Liebe Malchin zu verlassen, flammte nur kurz auf. „Ich muss meinen Kirchturm sehen… Das ist so!“

Im Kino von Malchin ist sie groß geworden. Ihr Vater war der Leiter und sie geht bis heute noch sehr gern dorthin. Es macht sie stolz, dass Malchin, als einzige Stadt in der Umgebung, noch immer ein Kino hat.

Als die Mauer fiel, war Silke Anfang 20. „Ich hatte schon Hoffnungen, Träume und Wünsche. Aber erfüllt hat sich gar nix davon.“ In Aschersleben studierte sie BWL. Danach hat sie Schwierigkeiten, in Malchin einen festen Job zu finden.

„Ich hab zwar `nen tollen Job, aber kann davon nicht leben.“ Silkes Arbeitsplatz beim Offenen Kanal „Studio Malchin“ ist keine feste Stelle und sie muss deswegen über das Arbeitsamt aufstocken. Das Bürgerradio wird über Projekte von Vereinen und Verbänden getragen. Es steht allen Einwohnern offen und bietet ihnen die Möglichkeit, Radiosendungen selbst zu gestalten, ihre Meinung zu äußern. Silke informiert immer Freitags über die geplanten Veranstaltungen in der Umgebung, moderiert Samstags eine Kindersendung und lässt immer Sonntags für gewöhnliche Radiosender ungewöhnliche Musik, wie z.B. Ska, erklingen.

 „Für mich ist das auch ein kleines Stück vom Glück, dass ich mich einsetze, auch für die Stadt.“ Nachdem Silke gewähltes Mitglied der Stadtvertretung Malchin war, ist sie derzeit aktiv im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport, Jugend, Senioren und Soziales. Hier beschäftigt sie sich mit vielfältigen Fragen zu unterschiedlichen Themen: Wo kommt das neue Denkmal hin? Wer organisiert das Weihnachtsfest, wer das Stadtfest? Ist eine Erwärmung des Peenebades sinnvoll?

Auch für Flüchtlinge setzt sich Silke ein. Gemeinsam mit einem kleinen Kreis von Eltern hat sie auf Facebook eine Gruppe gegründet, um Sachspenden für Kinder zu sammeln. In Ihrem Umfeld beobachtet sie dahingehend unter den Einwohnern eine Gemengelage aus Ignoranz & Angst. Angst besonders unter den Ärmsten der Armen. Silke meint dazu: „Ich hab da kein Verständnis für irgendwo. Ich finde, das sind Menschen und gut ist. Mehr gibt’s da gar nicht zu diskutieren.“

Sehrin Sohrsh, 41 (Krankenschwester,  Malchin)

„Malchin hat mir Glück gebracht.“

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„Liebe ist Liebe“ sagt sie. Mit ihrem Mann ist Sehrin schon über zwanzig Jahre verheiratet. Ihre älteste Tochter ist gerade achtzehn Jahre geworden. Cassandra will etwas mit Sprachen studieren. Die 14-jährige Claudia würde gern Erzieherin werden. Rudi, ihr jüngster Sohn, ist leidenschaftlicher Fußballer. Ihre drei Kinder sind hier geboren. Sehrin und ihr Mann sind kurz nach der Hochzeit nach Malchin gezogen. Sie ist gelernte Krankenschwester

Sie schwärmt von den Festlichkeiten ihrer zweiten Heimat. Kindertag und Silvester. Sie erzählt von ihrer Vorfreude. Besonders Weihnachten findet sie schön; mit den Geschenken für ihre Kinder. Die Feiertage verbringt sie oft im Sozialwerk der Evangelischen- Freikirchlichen Gemeinde Malchin. „Es ist ein bisschen wie Familie“ sagt sie.

In ihrem Herkunftsland lebte sie in einem kleinen Dorf, ihre Familie gehört zur kurdischen Minderheit in Syrien. Deshalb verhinderte ein roter Stift, der sie als Kurdin stigmatisierte, ihren Schulabschluss. Ihre Familie ließ nicht zu, dass sie mit ihrem arabischen  Freund zusammen ist. Der einzige Ausweg in ein selbstbestimmtes und sicheres Leben: die gemeinsame Flucht.

Den ersten Monat in Deutschland verbringt Sehrin ohne Wechselkleidung in dem Flüchtlingsheim in Horst. Danach lebt sie neun Jahre im Flüchtlingsheim in Malchin. Am Anfang nur mit ihrem Mann in einem Zimmer, dann zusammen mit ihren drei kleinen Kindern. In den ersten drei Jahren konnte sie vor Angst nicht ohne Schlaftabletten ins Bett gehen, erzählt sie. Die anderen Männer aus dem Heim hatten ihr Angst gemacht.

 „Nach der Geburt habe ich alles vergessen, die Liebe kam wieder zurück. Mit dem Kinderwagen waren alle so nett zu mir.“

Als den schönsten Tag in Malchin, beschreibt sie die Einschulung ihrer Kinder; wie sie sich traditionell mit Kleid und Schleifen schick gemacht hätten. Malchin sei eine gute Stadt, betont Sehrin.

„So ruhig, ohne Probleme, keine Angst um die Kinder. Zwanzig Jahre – wie meine Stadt.“
Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie mit ihren Kindern hier in Malchin bleiben darf. Für ihre Kinder erhofft sie sich offizielle Papiere, eine geklärte Identität, eine gute Schulbildung. Sie möchte, dass ihre Kinder den Menschen  lieben dürfen, der gut zu ihnen passt. „Kinder sollen lieben dürfen.“

Ein Führerschein wird dringend benötigt. „Ist manchmal peinlich, ich kann die Kinder nicht fahren, immer fragen wer hat Platz?“ Doch die gesetzlichen und behördlichen Regelungen legen ihr Steine in den Weg. Zuerst hatte Sehrin als Geduldete kein Anrecht auf einen Führerschein und einen Sprachkurs, nun ist Arabisch nicht mehr bei der Führerscheinprüfung anerkannt und Deutsch fällt ihr immer noch schwer. Bisher durfte sie auch nicht arbeiten, ihre Krankenschwesterausbildung wird nicht anerkannt. Nach 20 Jahren darf sie jetzt bald ein Praktikum machen.

KLIMAFLÜCHTLINGE

Klimaflüchtlinge sind Menschen die ihre Heimat und ihre Gemeinden, aufgrund von Auswirkungen des Klimawandels und der globalen Erwärmung, verlassen müssen.

Ein Wandel des Weltklimas kann durch natürliche Ereignisse wie Vulkaneruptionen, genauso wie durch menschliche Aktivitäten ausgelöst werden. Das Weltklima hat sich seit der Entstehung der Erde vor vielen Milliarden Jahren mehrmals gewandelt.

Die globale Erwärmung ist die jüngste Periode im Wandel des Weltklimas. Menschliche Aktivitäten, wie die Verbrennung fossiler Rohstoffe und die Abholzung der Wälder, tragen zum Klimawandel bei, denn hierdurch werden Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt. Treibhausgase verhindern die Wärmeausstrahlung der Erdatmosphäre in den Kosmos, sodass sich diese immer mehr aufheizt.

Steigende Temperaturen veranlassen das Schmelzen der Gletscher und der Polkappen. Dadurch können Überflutungen und das Ansteigen des Meeresspiegels ausgelöst werden. Steigende Temperaturen führen außerdem zu Dürreperioden und Desertifikation (Wüstenbildung) – die Umwandlung von urbarem Land in Wüstengebiete.

Einige dieser Effekte, wie z. B. der Meeresspiegelanstieg, welcher zur unumkehrbaren Überflutung von Landflächen führt, können große Gebiete unbewohnbar machen. Andere Effekte, wie Dürreperioden, die den Mangel lebenswichtiger Ressourcen wie Trinkwasser zu Folge haben, können Menschen zum Verlassen ihrer angestammten Gebiete treiben.

Klimaflüchtlinge sind Teil einer größeren Gruppe von Immigranten, welche als Umweltflüchtlinge bezeichnet werden. Umweltflüchtlinge umfassen Immigranten die von Naturkatastrophen, wie z. B. Vulkanausbrüche oder Tsunamis betroffen sind und darum Haus und Hof hinter sich lassen müssen, um einen neuen  Ort zum Leben zu finden.“

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National Geographic | Climate Refugee