Kleiner werden heißt nicht schlechter werden, heißt vielmehr anders werden

Wieder erwartete uns ein Vortrag in der St. Johannis Kirche. Am. 25. Februar war Prof. Dr. Henning Bombeck von der Universität Rostock zu Gast. Er sprach über „Kultur der Landentwicklung und wer macht da was? Aktivisten und Raumpioniere“

DSC_0673Prof. Dr. Henning Bombeck ist Experte für Dorferneuerung. Seit 2011 leitet er das Projekt „Schule der Landentwicklung“, das vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern gefördert wird. Darin wird vor allem betont, dass der ländliche Raum von seinen engagierten Menschen lebt. Das gilt auch für Malchin, und die Aktivisten und Raumpioniere, von denen im Titel des Vortrags die Rede ist, sind keine Superheroes, es sind Menschen, denen nur die Möglichkeit gegeben werden muss selbst zu gestalten; Menschen aber auch, die diese Möglichkeit beim Schopfe packen müssen.

Der ländliche Raum Mecklenburg-Vorpommerns, so Henning Bombeck einleitend, kann in Bilder der Idylle gepackt werden. Dieses Idyll ist aber „trügerisch“, ja „fragil“. Das ist die Realität im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns. Diese Realität besteht auch darin, dass die Menschen nicht präsent sind in ihrem Lebensraum, dass sie nicht kommunizieren. Wenn ländliche Räume auch für den Tourismus geöffnet werden sollen, müssen sich eigentlich auch die Menschen öffnen. Und wenn ein entsprechendes Handeln nur darin besteht, guten Tag zu sagen. Das sieht das aktuelle Lebensmodell aber nicht vor.

Der demographische Wandel in all seinen Effekten ist unaufhaltsam. Doch dieser Wandel ist nicht notwendigerweise eine Katastrophe. Denn er kann gestaltet werden.

Fragt sich nur wie.
Basis für ein entsprechendes Handeln ist – auch für die Landentwicklung – die Kommunikation. Es muss offen gesprochen werden. Die Fakten müssen auf den Tisch. Zur Kommunikation kommt ein weiterer Faktor hinzu: Kooperation. Dadurch entsteht Wertschöpfung im ländlichen Raum, so Prof. Bombeck.

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Dann kann man über Realisierungen, über Projekte sprechen:

  • Wie z.B. die Gestaltung der Dorfmitte, die Quartiersmitte, die man als „gemeinsames Wohnzimmer“ konzipieren kann.
  • Oder über die Realisierung des Mehrgenerationengedankens, über Patenschaften von Mensch zu Mensch, ganz gleich welchen Alters.
  • Oder über Stadt-Land-Interaktionen, die etwa in einem regionalen Produktvermarkten zum Ausdruck kommen können.
  • Oder über Alternativen der ländlichen Mobilität: Bürgerbusse, Kleinbusse mit einem ehrenamtlichen Fahrerpool.
  • Oder darüber, das Land wieder attraktiver für Ärzte zu machen, indem man entsprechende Räumlichkeiten anbietet und ausstattet.
  • Oder darüber, dass es eine Zentrale für Produkte aus der Region gibt. In Altenkirchen im Westerwald wurde dies in die Tat umgesetzt.
  • Oder, indem man Projekte fürs Altenwohnen umsetzt.
    Tragfähige Altenkonzepte auf dem Dorf, etwa in Kooperation zwischen Stadt und Land, sind Mangelware.
    In Dobbertin wurde man in diese Richtung aktiv. Aus Ferienwohnungen wurde Dauerwohnen und daraus wurde Altenwohnen. Ein barrierefreies Wohnprojekt, die Idee eines Dorfes im Dorf, für alte Menschen, die in den ländlichen Raum umsiedeln. Wichtig aber auch hierfür: eine Willkommenskultur, denn alte Menschen wollen – wie alle Menschen ließe sich hinzufügen – Sicherheit.
  • Oder indem man den ländlichen Raum mit Kunst zusammenführt. Besonders prominent: der Springhornhof in Neuenkirchen in der Lüneburger Heide.

Wie bei den bisherigen Vorträgen waren dieDSC_0680 anwesenden Malchiner Bürgerinnen und Bürger auch sehr einverstanden mit den vorgetragenen Anregungen. Erkennbar wurde die Motivation auch etwas zu tun. So wurde gewünscht, dass ein Leitbild entwickelt werde, in dem alle Ideen für Malchin formuliert werden. Prof. Bombeck gab zu bedenken, dass ein Leitbild auch in Aktionen umsetzbar sein muss. Dabei sei es wichtig, kleine Ziele zu verfolgen, die kleine Erfolge generieren. Das wird zu berücksichtigen sein, wenn es im Mai tatsächlich darum gehen wird, ein Leitbild für für Malchin auf der Grundlage des Wettbewerbs „Mein Lebensentwurf in 2030“ zu entwickeln.

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