Auto mobilis – von der Kunst, sich selbst zu bewegen

Am 11.02.16 waren wir bei der dritten Veranstaltungen innerhalb einer Woche der Zukunftsstadt Malchin in der Kirche St. Johannis dabei und zählten knapp 20 Teilnehmende zum Vortrag von Udo Onnen- Weber zu „Moderne ÖPNV Systeme in Malchin? Intermodal?“

Drei der Fragen waren:

  • Wie kommen wir, die älter werdenden Generationen von Salem nach Malchin?
  • Wie verlieren wir nicht den Anschluss an die medizinische Versorgung, an Einkaufsmöglichkeiten und vor allem – wie kommen wir zueinander um nicht einsam zu werden?
  • Und wie können wir Schüler viel flexibler als jetzt unsere Bewegung in der Region organisieren?

2030+ ist Malchin autofrei, spätestens – sprach Udo Onnen-Weber vom Kompetenzzentrum IMG_0040Ländliche Mobilität /Hochschule Wismar. Zumindest was den engen Bereich der Innenstadt innerhalb der Stadttürme anbelangt.
Prof. Dr. Udo Onnen-Weber ist seit Jahren auf der Suche nach Möglichkeiten, auch im ländlichen Raum, bei ausgedünntem ÖPNV und dünner und zergliederter Besiedlung mobil zu sein, ohne ein eigenes Kraftfahrzeug besitzen und fahren zu müssen. Das geht über SYSTEME der Mobilität, d.h. über die Kombination unterschiedlicher Bewegungsarten (intermodal, Anm. d. Red.).

Autonome, selbstfahrende E-Autos wären als Zubringer oder Innenstadttransportmittel ein Bestandteil. Ansonsten besteht der Mix aus größeren Bussen, die drei zentrale Trassen in kontinuierlichem Takt befahren. Zu diesen Trassen fahren dann Dorfbusse oder Dorftaxis oder auch (E-) Fahrräder – abhängig vom lokalen Bedarf – die Bushaltestellen an. Das Zubringen erfolgt bei Bedarf – die Rufsysteme sind wahrscheinlich im Smartphone versteckt.
Eine ähnliche Bündelung könnte beim mittelgroßen Geschäftsverkehr möglich sein. Anstatt, dass jeder Lieferservice – von UPS bis DHL – durch die Innenstadt fährt, gibt es im Stadtrand Güterverteilsysteme, in der die Lieferungen gebündelt werden.

Soweit die technischen Möglichkeiten.

Unter dem Slogan: „Auto mobilis – von der Kunst, sich selbst zu bewegen“ – was ja mehrdeutig IMG_0051ist, begann dann die Diskussion, die das Thema vom Kopf auf die Füße stellte:

  • Was haben wir für Mobilitätsbedarfe – echte und unechte? Was von den technischen Möglichkeiten wollen wir dafür nutzen?
  • Wenn z.B. Malchin eine anspruchsvolle Stadt sein will, die sich und die Bürger beansprucht und beweglich hält, dann braucht und will man in der Innenstadt gute, unterhaltsame Spazierwege und Radfahrspuren – und vielleicht Lastenfahrräder und selbstfahrende Wagen, die die Einkaufstaschen bewegen – was denn mehr?
    (Vielleicht auf´s Pferd setzen? Anm. d. Red.)

Viel Verkehr entsteht durch die Belieferungen und die Entsorgung der Discounter. Nun mehren sich die Stimmen in der Visionsarbeit, die Malchin als eine Stadt sehen, die in der Zukunft gesunde Ernährung ganz oben ansiedelt.

  • Gesunde, preiswerte Nahrungsmittel (die sich alle in der Region leisten können) aus regionalem Anbau, produziert auf Landflächen der Stadt, im öffentlichen Raum (urban gardening) und im eigenen Garten – vertrieben über ein regionales Handels-Netz.
  • Das ist ein anderer Verkehr, als die Belieferung der Discounter mit Tomaten aus Spanien.
  • Und der Marktplatz ist ein anderer sozialer Treffpunkt als die Regalreihen im Supermarkt.

Nun kann man Wertschätzung von Gartenkultur noch verbinden mit dem Wiederentdecken des Kochens.

  • Wären es nicht großartige Pilotprojekte, wenn in den Schulen gesund mit den Nahrungsmitteln der Region gekocht werden würde?
  • Unterstützt von Schulgärten/Streuobstwiesen und Schülerfirmen? Die Gartenvereinigungen würden Obst und Gemüse an die Schulen geben und dafür kostenfreien Eintritt in Malchiner Museen erhalten.
  • Und die Berufsschule bildet wieder Hauswirtschaft aus und bekocht die Schulen!?

Autofreie Stadt – das wäre schon eine großartige Botschaft und Einladung an junge Familien außerhalb MV. Wie aber werden sich die Bürger von der Idee anstecken lassen? Wenn ihnen was weggenommen wird – was wird ihnen gegeben? Wenn etwas wegfällt – was hat man dann?

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