Lokales Wunderkind der Mobilität

Sie war eines der größten Talente, das der Verein bisher hervorgebracht hatte. Mehrfach holten sie die deutsche Meisterschaft. So wurde die Tradition des Motoball auf eine Art und Weise bewahrt, die alle stolz machte. Dabei hatte sich auch einiges verändert. Als die Ölpreise anstiegen, war es bald nicht mehr möglich, diesen Sport zu finanzieren. Der Verein musste umdenken, wie alle anderen Motoball-Vereine auch. Malchin initiierte das Umdenken.

Genau genommen war es ihr eigenes großes Talent, das den Weg in die Zukunft ebnete. Denn die junge Frau war nicht nur eine begnadete Motoballspielerin. Sie war auch eine ideenreiche Entwicklerin. Nach der Schule absolvierte sie ein Studium am Institut für Transportation Design in Braunschweig und ging danach zurück nach Malchin. Hier setzte sie um, was sie an der Hochschule bereits konzipiert hatte: einen leistungsstarken Elektromotor für Zweiräder mit einem neuartigen Batteriemanagementsystem. Der Strom wurde vom Verein selbst durch Photovoltaik-Anlagen gewonnen. So war es nicht notwendig, die Tradition aufzugeben, es musste nur ein Wandel akzeptiert werden.

Die Gemeinde war stolz auf das lokale Wunderkind und deshalb war man sich sicher, dass sie ein Nachfahre des legendären Malchiner Erfinders Siegfried Marcus sein müsse. Aber alle Versuche, eine Verwandtschaftsbeziehung nachzuweisen, blieben erfolglos. Das war aber auch nicht so wichtig. Viel wichtiger war es, was der jungen Frau alles gelang. Denn neben den neuen Elektrorädern entwarf sie ein Transport-Dreirad (basierend auf einem griechischen Modell), das mit einem variabel einsetzbaren Elektromotor ausgestattet war. Bis zu zehn Passagiere konnte das Fahrzeug transportieren. Sie fand einen Käufer, der fünf Exemplare in Auftrag gab, mit dem Ziel ein kleines alternatives Streckennetz im Raum Malchin aufzubauen. Denn der öffentliche Nahverkehr bestand schon viele Jahre nur noch aus Schulbussen und mit dem Anstieg der Benzinpreise musste neben Fahrgemeinschaften ohnehin eine neue Idee her. Das Konzept funktionierte, die Fahrzeuge waren mehr als ausgelastet und so wurden weitere Exemplare in Auftrag gegeben. Heute sind es zwanzig Fahrzeuge, die einen alternativen öffentlichen Nahverkehr im Umkreis von ca. 20 Kilometern etabliert haben. Für die Fahrzeugherstellung und den Transport wurden zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Was Siegfried Marcus leider nicht vergönnt war, gelang der jungen Frau auf regionaler Ebene: ein Fahrzeug für die Zukunft zu bauen.

Ein Text von Thomas Klein

Nachhaltigkeit und dokumentarische Formen – Ein Gespräch zwischen Friedrich Hagedorn und Thomas Klein

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