Weg von der Gesundheitswirtschaft in den Lebensalltag

Bürgerschaft und Wissenschaft diskutierten am 28. Januar 2016 zur Zukunftsstadt Malchin über kommunale Gesundheitsförderung

„Der Vortrag berichtete über das Konzept der kommunalen Gesundheitsförderung mit Beispielen aus anderen Städten und Ländern.“ — Man dachte, dass es um medizinische Stützpunkte, Netzwerke von Apotheken und Beratungsstellen der Krankenversicherungen ginge. Aber darum ging es nicht.

Prof. Dr. Eberhard Göpel machte etwas Interessantes: Er nahm uns Zuhörer bei der Hand und führte uns weg von der Gesundheitswirtschaft hin in unseren Lebensalltag in Malchin und was der für Wirkungen auf unsere Gesundheit hat.

Da stellte er die These auf, dass, wenn wir einen Sinn für unser eigenen Lebens erzeugen wollen, dann muss da mehr an „geistiger Erbschaft und an weisen Vorschlägen“ für die Nachgeborenen sein als unser letzter Atemzug. Was bewirken wir nach unserem letzten Atemzug?!!

  • Gesundheit entsteht und vergeht im Alltag. Haben wir wenig Möglichkeiten für einen wertschätzenden Gedankenaustausch, dann haben wir keine soziale Teilhabe, wir vereinsamen und fragen uns: wo ist der kommunale Lebensraum, der uns Bewegung im Geist und für den Körper anbietet. Wo können wir uns in unserer Unzulänglichkeit fröhlich begegnen?
  • Oder die andere Frage: Wir werden älter – das ist schön. Aber wie nutzen wir – fröhlich – diese freie Zeit? Wohin gehen wir? Was machen wir da – in unserer neuen-kreativen Zeit?
  • Wir kommen jetzt schon in Krisen und Brüche, in denen massenhaft Enttäuschung, Kränkung und Krankheit die Folge ist. – Fehlende Arbeitsmöglichkeiten, nicht-Wertgeschätzte Arbeit im Haus, im Kiez, im Dorf. Wie kann da Hoffnung entstehen? Wenn wir nun in Malchin mit unserem Transformations-Selbstverständnis – wenn wir Zukunftsstadt denken — werden wir dann nicht unmodern gemacht.

Ist schönes Leben nur noch Bequemlichkeit, wie wir es jetzt in der Werbung angeboten bekommen? Ist gutes Leben nicht eher Beanspruchung in Geist und in Fingerbewegungen, in Sport und Konflikten? Wenig Bewegung heisst Verkümmern – sagt man nicht nur, man sieht es!

Wäre es nicht fantastisch, wenn Malchin als die Stadt bekannt werden würde, die beansprucht, die uns lockt zu bewegen und uns zu bewegen – auch in bequemen Cafes.

Wenn wir Visionen erarbeiten wollen, dann ist das nicht das freie Erfinden von Zukunft, der scheinbar bequeme technologische Fortschritt, mit dem wir z.B. unseren Körper gestalten, messen und steuern können– denn das ist riskant.

Visionen führen unsere verlorenen und grundsätzlichen Grundbedürfnisse mit kleinen und großen Trends unserer Umweltveränderungen zusammen. Klaren Auges verstehen wir was anders wird und klaren Kopfes horchen wir auf unsere Wünsche – das wäre eine kluge Umgangsform mit der Veränderung.

Ausgleichsformen zu Sprachlosigkeit sind lokale Märkte – am Markt, in der Steinstraße .. und solidarische Ökonomien – also das ABO auf eine Gemüsekiste, auf Obst- oder Klimabäume , auf Mate-Wasser — führen Wertschätzung für das „Vor-Ort“ ein.

Eberhard Göpel stellte die klugen Fragen für das Funktionieren von uns Menschen. Es sind Sinnfragen, die wir uns – in unseren Dörfern und kleinen Städten – miteinander stellen sollten, wenn wir souverän unser Leben gestalten wollen. Oder wollen wir gelebt werden?

Angesteckt durch den Vortrag wurde die gegenwärtige Gesundheitsvorsorge kritisch hinterfragt und neue Ideen wurden entworfen:

Ein Vorschlag: Wir können uns ja regelmäßig im Sommer auf der Straße zum gemeinsamen Abendessen treffen und dann mal suchen und uns erklären wer wir – die Nachbarn – sind, und uns Nachbarschaft, Gastfreundschaft und Solidarität gegenseitig beschreiben.

Oder: Können wir nicht ein Fonds für kommunal-öffentliche Verantwortung für gesundheitliche Lebenswelten organisieren und ein kommunales integrierendes Programm gegen Zivilisationskrankheiten auflegen?

Vortrag als pdf 6 MB zum Download

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