Sehrin Sohrsh, 41 (Krankenschwester,  Malchin)

„Malchin hat mir Glück gebracht.“

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„Liebe ist Liebe“ sagt sie. Mit ihrem Mann ist Sehrin schon über zwanzig Jahre verheiratet. Ihre älteste Tochter ist gerade achtzehn Jahre geworden. Cassandra will etwas mit Sprachen studieren. Die 14-jährige Claudia würde gern Erzieherin werden. Rudi, ihr jüngster Sohn, ist leidenschaftlicher Fußballer. Ihre drei Kinder sind hier geboren. Sehrin und ihr Mann sind kurz nach der Hochzeit nach Malchin gezogen. Sie ist gelernte Krankenschwester

Sie schwärmt von den Festlichkeiten ihrer zweiten Heimat. Kindertag und Silvester. Sie erzählt von ihrer Vorfreude. Besonders Weihnachten findet sie schön; mit den Geschenken für ihre Kinder. Die Feiertage verbringt sie oft im Sozialwerk der Evangelischen- Freikirchlichen Gemeinde Malchin. „Es ist ein bisschen wie Familie“ sagt sie.

In ihrem Herkunftsland lebte sie in einem kleinen Dorf, ihre Familie gehört zur kurdischen Minderheit in Syrien. Deshalb verhinderte ein roter Stift, der sie als Kurdin stigmatisierte, ihren Schulabschluss. Ihre Familie ließ nicht zu, dass sie mit ihrem arabischen  Freund zusammen ist. Der einzige Ausweg in ein selbstbestimmtes und sicheres Leben: die gemeinsame Flucht.

Den ersten Monat in Deutschland verbringt Sehrin ohne Wechselkleidung in dem Flüchtlingsheim in Horst. Danach lebt sie neun Jahre im Flüchtlingsheim in Malchin. Am Anfang nur mit ihrem Mann in einem Zimmer, dann zusammen mit ihren drei kleinen Kindern. In den ersten drei Jahren konnte sie vor Angst nicht ohne Schlaftabletten ins Bett gehen, erzählt sie. Die anderen Männer aus dem Heim hatten ihr Angst gemacht.

 „Nach der Geburt habe ich alles vergessen, die Liebe kam wieder zurück. Mit dem Kinderwagen waren alle so nett zu mir.“

Als den schönsten Tag in Malchin, beschreibt sie die Einschulung ihrer Kinder; wie sie sich traditionell mit Kleid und Schleifen schick gemacht hätten. Malchin sei eine gute Stadt, betont Sehrin.

„So ruhig, ohne Probleme, keine Angst um die Kinder. Zwanzig Jahre – wie meine Stadt.“
Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie mit ihren Kindern hier in Malchin bleiben darf. Für ihre Kinder erhofft sie sich offizielle Papiere, eine geklärte Identität, eine gute Schulbildung. Sie möchte, dass ihre Kinder den Menschen  lieben dürfen, der gut zu ihnen passt. „Kinder sollen lieben dürfen.“

Ein Führerschein wird dringend benötigt. „Ist manchmal peinlich, ich kann die Kinder nicht fahren, immer fragen wer hat Platz?“ Doch die gesetzlichen und behördlichen Regelungen legen ihr Steine in den Weg. Zuerst hatte Sehrin als Geduldete kein Anrecht auf einen Führerschein und einen Sprachkurs, nun ist Arabisch nicht mehr bei der Führerscheinprüfung anerkannt und Deutsch fällt ihr immer noch schwer. Bisher durfte sie auch nicht arbeiten, ihre Krankenschwesterausbildung wird nicht anerkannt. Nach 20 Jahren darf sie jetzt bald ein Praktikum machen.

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