Kathrin Wetzel, 46 (Bildhauerin, Gessin)

„Nach der Wende war alles möglich. Die Verwandt­schaft hat es damals in den Westen gezogen. Ich habe nie weggewollt. Ich liebe die Landschaft. Sie hat mich geprägt.”

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Die Skulptur “Die Wartende” steht auf einem Sockel im Garten vor dem Atelier von Kathrin Wetzel. Ein genauer Blick auf die Hände offenbart eine starke Körperspannung. Im nächsten Augenblick könnte sich die Figur drehen. Oder direkt aus dem Stand losschreiten – als wäre der Moment festgehalten, in dem die Entscheidung für eine Bewegung getroffen wird.

Die gebürtige Gielowerin lebt mit ihrem Mann und ihren sieben Kindern in Gessin, einem Ortsteil von Basedow. Wetzel nennt sich selbst die ‚ewig Suchende’, sie erkundet immer wieder neue Pfade. Über die Jahre arbeitete sie als Bauzeichnerin, psychologische Beraterin und Kinderbetreuerin. Alle Erfahrungen kamen ihr zugute, erinnert sie sich. Ihrer Meinung nach lernte sie dadurch Menschen wirklich zu ‚erkennen’.  Vor zwei Jahren machte sie sich dann als Bildhauerin selbstständig.

Das Studium absolvierte Wetzel an der Rostocker Technischen Kunstschule. Ihre Tage waren lang. Nachdem sie die Jüngsten zur Kita und zur Schule brachte, fuhr sie die 80 km zur Kunstschule. Um 9 Uhr startete ihr Unterricht, um 15 Uhr endete er. Im Gespräch erinnert sie sich, wie tief zufrieden sie immer nach Hause gekommen sei: “Das ist ein ganz altes Handwerk, das ich hier umsetze.“ Auch für ihre Kinder sei es eine Bereicherung, dass sie Bildhauerei studiert habe. Ironisch sprechen sie von einer ‚Atelierisierung’ des Hauses.

Wetzels Mann Bernd und dessen Eltern, die gemeinsam auf dem Hof leben, sind Landwirte. Es schmerzt sie zu sehen, wie viele Lebensmittel in Deutschland täglich im Müll landen: „Ich habe zu Bernd gesagt, warum stehst du morgens überhaupt noch auf, wenn 10 Prozent unserer Lebensmittel weggeschmissen werden?“

Gessin ist ein Dorf, in dem Bürger seit etlichen Jahren ihre Dorfgemeinschaft aktiv (um)gestalten – für sich, für ihre Kinder, für die Alten. Wetzels Wurzeln in der Mecklenburgischen Schweiz sind sehr stark. Nur ein einziges Mal habe sie ernsthaft darüber nachgedacht wegzuziehen – aus Angst, ihre Kinder nicht vor rechtsradikalen Übergriffen schützen zu können: „Die sind eben geradeheraus, nehmen kein Blatt vor den Mund.“

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